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- m e d i X t r a -
Agentur für Krisenkommunikation
Friedrichstr. 128
D-10117 Berlin-Mitte







Journalimus in Krisenregionen

AKTUELL: JOURNALISMUS IN KRISENREGIONEN

Seit 1999 werden im Ausbildungszentrum der Vereinten Nationen (GE UN training centre) an der Bundeswehr Infanterieschule Hammelburg (Unterfranken) Journalisten und Helfer humanitärer Organisationen für ihren Einsatz in Krisenregionen geschult, um sich auf den Einsatz in Konfliktgebieten vorzubereiten. Zur Schulung gehören unter anderem das Verhalten bei komplexen Situationen, einschließlich Gefangennahme, Erste-Hilfe-Maßnahmen, Begleitung der Truppe bei Patrouillen und Schutzaufgaben, Erkennen und Vermeidung von Gefahren durch Minen und Sprengfallen sowie Erfahrungswerte hinsichtlich der Wirkung von Waffen, Munition und Kampfmitteln.


Journalimus in Krisenregionen - Kurz-Interview
Über den Einsatz in Krisenregionen befragte Andreas Frädrich den Kursleiter, Major Michael L. Reinwald...
 
Frädrich: Das persönliche Risiko beim Einsatz für die Berichterstattung im Krisengebiet ist für Journalisten ziemlich hoch. Sollten nicht besser Roboter, Satelliten oder sogar Drohnen den Job übernehmen?

Reinwald: Grundsätzlich ist ein Einsatz in Krisengebieten für Soldaten wie Journalisten stets mit Gefahren für Leib und Leben verbunden. Eine Berichterstattung alleine auf Roboter oder Satellitenaufnahmen zu stützen, ergibt nur ein unvollständiges Lagebild.

Erste Hilfe Übung - Journalimus in Krisenregionen

Frädrich: Viele Daten zum Beispiel vom minütlichen Frontverlauf während des letzten Irak-Krieges stammten vorwiegend aus amerikanischen Nachrichtenagenturen und TV-Stationen. Im Gegensatz zu den amerikanischen Kollegen sind z.B. deutsche Journalisten "not embedded". Besteht hierdurch generell eine Chance zur Qualitätsverbesserung in der Berichterstattung auf "eigene Faust", oder könnten hierdurch militärische Interessen durch vorschnelle Berichte  - gerade durch die Möglichkeiten hochmoderner Kommunikationsmittel - verletzt werden?

Reinwald: Ein "enbedded Journalism" wird durch die Bundeswehr nicht verfolgt. Sie können jederzeit über die entsprechenden Dienststellen im Inland evtentuell bei den bestehenden Einsätzen die Truppe vor Ort besuchen und an Patrouillen teilnehmen. Über die "Qualitätsunterschiede" einer Reportage - "enbedded oder auf eigene Faust" - kann ich keine Aussage machen.

Frädrich: Ein weiterer ausführlicher Ausbildungpunkt ist Minenkunde (Mine Awareness). In vielen (ehemaligen) Bürgerkriegsgebieten sind Minen ohne Schema verlegt und nicht dokumentiert, eine teuflische Gefahr für Zivilbevölkerung und natürlich auch Journalisten und Einsatzkräfte. Im Rahmen des so genannten Mine-Mappings wird hierzu ständig Kartenmaterial erstellt. Was können Sie zum Ausmaß des weltweiten Landminen- resp. Kampfmittelproblems aus eigener Erfahrung berichten?

Reinwald: Es sind heute noch, auch Jahrzehnte nach den erfolgten Kriegswirren, viele Gebiete vermint, die aber nicht dokumentiert sind. Ca. 20 bis 60 Millionen Minen sind heute noch "aktiv" in den ehemaligen und heutigen Krisengebieten in der ganzen Welt. Als persönliche Erfahrung aus meinem Einsatz in Georgien als UN-Militärbeobachter -UNOMIG- hatte ich Kontakt mit Minenopfern, die zum Beispiel illegal über die "grüne Grenze" wollten - in diesem Fall ein Fluß, der INGURI River - und dabei auf angeschwemmte Minen getreten sind.


Journalimus in KrisenregionenFrädrich: Wie verläßlich sind diese Minenpläne für Reisende in diesen Gefahrengebieten?

Reinwald: Die Minenkarten werden immer wieder vor Ort auf den neuesten Sach-/Kenntnisstand gebracht. Zivile Deminingfirmen sowie internationale Organisationen wie UN und NATO arbeiten sehr eng in diesem Bereich zusammen. Eine Minenkarte entbindet aber nicht von einem persönlichen Informationsgespräch bei einer vor Ort vertretenen Organisation oder Firma. Unwetter- oder Naturkatastrophen aber auch neue Krisen bergen ständige Änderungen und Gefahren in sich.

Schutz und Verhalten in KrisenFrädrich: Ein weiteres praktisches und theoretisches Ausbildungsziel des Seminars ist die Orientierung im Gelände mit Karte und Kompass. Jeder Lehrgangsteilnehmer wurde in die Lage versetzt, genaue Ortsangaben aus der Karte herauszulesen und mit dem Kompaß zu arbeiten und z.B. die militärisch betrachtet genauere Marschkompaßzahl zu ermitteln. GPS ersetzt also nicht die Karte?

Reinwald: GPS ist ein absolut gutes Hilfsmittel um den eigenen Standort festzustellen bzw sich im Gelände zu orientieren. Der große Nachteil ist aber, dass es sich um ein elektronisches Hilfsmittel handelt, das auf eine eigene Energieversorgung sowie tätsächlich funktionierende Satelliten angewiesen ist.

Beides kann ausfallen und ich bin ausschließlich auf Karte und Kompaß angewiesen. Sie müssen die Werte eines GPS in eine Karte übertragen können und erst dann sind Sie in der Lage, einen Karten-Geländevergleich anzustellen. Nur so können sie den genauen Standort verifizieren. Weiterhin zeigt Ihnen das GPS nur die Luftlinie zu einem Zielpunkt und nicht den möglichen sicheren Marsch- oder Fahrweg.

Das Interview wurde im Dezember 2005 geführt.

Journalimus in Krisenregionen

Certification - Instruction for Journalists

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